21.01.2016 - Bremerhaven

Foto: Michael Theusner

Eisnebelhalos in Bremerhaven, Nordsee

Beobachter: Michael Theusner, Bremerhaven

Datum: 21.01.2016

Ein sehr beeindruckendes Halophänomen in Eisnebel konnte am Morgen bis in die frühen Nachmittagsstunden des 21.01.16 in Bremerhaven beobachtet werden. Dabei konnte ich folgende Haloarten visuell feststellen.

 

Der Nebel hatte sich am Abend zuvor gebildet und die Sicht auf das Polarlicht vom 20.01.16 beeinträchtigt. Die Tiefsttemperatur lag morgens an der Messstation des DWD am Hafen (ganz in der Nähe des Beobachtungsortes) bei -8,6°C, bis zum Nachmittag stieg sie auf maximal -6,0 °C. Die Halos waren nicht während des gesamten Zeitraums sichtbar. Wenn dichtere Nebelbänke durchzogen und die Sonne verdeckten, verschwanden sie. Außerdem konnte ich berufsbedingt nicht die ganze Zeit über beobachten. Der von mir registrierte Höhepunkt des Halophänomens war zwischen 12:45 und 13:00.

Die Eisnebelhalos bemerkte ich gegen 9:45 auf dem Weg zur Arbeit im Bereich des Neuen Hafens in Bremerhaven. Dort in Wesernähe riss der Nebel plötzlich auf und die Sonne kam heraus. Als ich die Klappbrücke der Schleusenstraße überquerte, sah ich auf einmal links von mir im Nebel eine extrem helle, linke Nebensonne und Teile des 22°-Rings. Mein erster Gedanke: Eisnebelhalos in Bremerhaven! Also gleich angehalten, Kamera herausgeholt (Sony DSC-RX100M3) und Fotos gemacht.

Kurz darauf näherte sich eine Nebelwand und die Halos verschwanden zusehends. Die Nebensonnen verwandelten sich in blasse Reste, die jeweils nur noch aus einzelnen, glitzernden Kristallen bestanden, bis sie ganz weg waren.

Nebensonne im Eisnebel

Nebensonne im Eisnebel (Foto: Michael Theusner)

Nebensonne im Eisnebel

Nebensonne im Eisnebel (Foto: Michael Theusner)

Schwache Nebensonne

Schwache Nebensonne im Eisnebel (Foto: Michael Theusner)

Ich konnte also das Auto in Ruhe parken und machte mich auf den Fußweg zu meiner Arbeitsstelle, der normalerweise nicht einmal 10 Minuten dauert. An diesem 21.1. jedoch deutlich länger ausfiel.

Unterwegs zeigten sich nämlich gleich wieder Halos. Die Sonne war erneut herausgekommen und zwei sehr helle Nebensonnen tauchten auf. Dazu kamen noch Schattenstrahlen durch das Atlantic-Hotel. Der Nebel wurde dann wieder dichter, und der 22°-Ring und der Zirkumzenitalbogen wurden sichtbar (etwa 10 Uhr).

Nebensonnen mit Schattenstrahl

Nebensonnen mit Schattenstrahl (Foto: Michael Theusner)

Nebensonnen mit Schattenstrahl

Nebensonnen mit Schattenstrahl (Foto: Michael Theusner)

Der ZZB erscheint

Der ZZB erscheint (Foto: Michael Theusner)

Auf dem Dach meiner Arbeitsstelle (10:15 bis 10:20) nahm ich die nächsten Bilder auf. Der Eisnebel war nun so dicht, dass überall um mich herum Eiskristalle vorbeiflogen und ich die Halos praktisch direkt vor mir sehen konnte (Video davon). Sogar zwischen mir und der Kamera glitzerten Kristalle des 22°-Rings wenn ich die schwarze Kamera ausgestreckt vor mich hielt. So hatte ich das noch nie zuvor erlebt. Das Glitzern unter dem 22°-Ring ist sehr wahrscheinlich der Untere Berührungsbogen.

"3D 22°-Ring" und UBB

"3D 22°-Ring" und UBB (Foto: Michael Theusner)

"3D 22°-Ring"

"3D 22°-Ring" (Foto: Michael Theusner)

Wieder unten am Deich (ab 10:20) vor dem Einkaufzentrum "Mediterraneo", bot sich erneut ein fantastischer Anblick der Eisnebelhalos. Überall in der Luft glitzerte es und die Halos hatten deutlich an Helligkeit zugelegt. Nun waren neben den Nebensonnen und 22°-Ring auch sehr gut obere und untere Lichtsäulen sowie Oberer Berührungsbogen und Horizontalkreisteile ca. ±40° um die Sonne herum sichtbar.

Eisnebelhalos mit Glitzern

Eisnebelhalos mit Glitzern (Foto: Michael Theusner)

Horizontalkreis

Horizontalkreis (Foto: Michael Theusner)

Hinzu kam dann auch noch ein sehr schöner Zirkumzenitalbogen und ein schwacher 46°-Ring / Supralateralbogen.

Gegen 10:35 bot sich dann folgender Gesamtanblick aus drei zu einem Panorama zusammengefügten Bildern (Willy-Brand-Platz mit Auswandererdenkmal):

22°-Ring und HZK

22°-Ring und HZK (Foto: Michael Theusner)

ZZB, Supralateralbogen, Parrybogen, OBB, 22°-Ring

ZZB, Supralateralbogen, Parrybogen, OBB und 22°-Ring (Foto: Michael Theusner)

Das Halophänomen in seiner ganzen Pracht

Das Halophänomen in seiner ganzen Pracht (Foto: Michael Theusner)

Das Halophänomen in seiner ganzen Pracht

Das Halophänomen in seiner ganzen Pracht (Foto: Michael Theusner)

Nach 10:45 folgte für 10 Minuten die nächste Nebelwand, die die Sonne verdeckte. Danach ging es gleich wieder weiter mit Eisnebelhalos mit schnell wechselnder Helligkeit. Immer wieder stand ich direkt in der Wolke aus Eiskristallen, so dass die Halos zum greifen nah schienen. Diese Phase hielt bis 11:10. Danach folgte wieder dichter Nebel ohne Halos.

Eisnebel über der Nordsee

Eisnebel über der Nordsee (Foto: Michael Theusner)

Eisnebel über der Nordsee

Eisnebel über der Nordsee (Foto: Michael Theusner)

Eisnebel über der Nordsee

Eisnebel über der Nordsee (Foto: Michael Theusner)

Eisnebelhalso mit 46°-Ring und ZZB

Eisnebelhalso mit 46°-Ring und ZZB (Foto: Michael Theusner)

Erst nach 12:45 bemerkte ich wieder größere Haloaktivität, die noch beeindruckender wurde als die des Vormittags. Alle oben beschriebenen Haloformen waren gleichzeitig zu sehen. Diese Phase dauerte nur 15 Minuten. Danach folgte wieder haloloser, dichter Nebel, der zunehmend in dichten Hochnebel überging, in dem ebenfalls keine Halos auftauchten.

Zum Schluss, kurz bevor es zuzog, war am Gegensonnenpunkt auch noch Trickers Gegensonnenbogen schwach erkennbar. Die unteren Bilder zeigen links ein Einzelbild und rechts das Mittel aus drei Fotos (zusätzlich Kontrastverstärkt), in dem er noch besser erkennbar ist. Trickers Gegensonnenbogen hatte ich vorher noch nie beobachten können.

Trickers Gegensonnenbogen

Trickers Gegensonnenbogen (Foto: Michael Theusner)

Trickers Gegensonnenbogen

Trickers Gegensonnenbogen - Kontrastverstärkt (Foto: Michael Theusner)

Mit nachträglicher Bildbearbeitung wird wohl zudem noch der Moilanenbogen sichtbar. Dieser lässt sich per unscharfer Maskierung in drei Bildern nachweisen, die alle um 12:55 herum entstanden sind. Zu dieser Zeit waren die Halos am hellsten. Der Reihenfolge nach sind unten zunächst ein unbearbeitetes Einzelbild (in dem er vielleicht auch schon zu erahnen ist), danach zwei (Mittel aus den drei fraglichen Bildern) mit einfacher und doppelter unscharfer Maskierung sowie eines mit einem Bild mit nachweislichem Moilanenbogen (von Petr Kousal) als Einsatz.

Gleichzeitig sind in den bearbeiteten Bildern noch die Sonnenbögen schwach sichtbar, die sich in der Sonne kreuzen.

Originalaufnahme mit Moilenenbogen

Originalaufnahme mit Moilanenbogen (Foto: Michael Theusner)

Moilanenbogen mit USM bearbeitet

Moilanenbogen mit USM bearbeitet (Foto: Michael Theusner)

Moilanenbogen und Sonnenbogen

Moilanenbogen und Sonnenbogen (Foto: Michael Theusner)

Moilanenbogen im Vergleich

Moilanenbogen im Vergleich (Foto: Michael Theusner)

Zusammenfassung

Fazit: Ein Halophänomen im Eisnebel ist an der Nordsee, mit ihren allgemein milderen Temperaturen, wohl eine große Ausnahme. Ähnliches hatte ich erst im November auf dem Halotreffen in Boží Dar erlebt, aber selbst dort nicht in dieser Ausprägung (Taghalos am Freitag wegen später Anreise verpasst).

Nicht nur mir fielen die Halos auf. Als ich selbst am Deich unterwegs war, bemerkte ich immer wieder Personen, die ebenfalls Fotos machten. Einige Bewohner der Seestadt wurden aufgrund der Helligkeit der Halos auf selbige aufmerksam und fotografierten sie. Über die Facebookseite des Klimahaus lassen sich einige dieser Fotos abrufen, die dort geteilt worden sind.

In der Nordseezeitung erschien am nächsten Tag auch noch eine Notiz mit Bildern, die das Halophänomen erklärte. Dafür benutzte die Nordseezeitung einen Erklärungstext den ich ihr vorsichtshalber noch am Nachmittag geschickt hatte.

In meinem Leben habe ich noch nie solch ein Halophänomen erlebt und werde Eisnebelhalos in Bremerhaven oder anderswo im norddeutschen Flachland wohl nicht so schnell wieder zu Gesicht bekommen.