Liljequists Nebensonnen liegen auf dem
Horizontalkreis etwa 150° bis 160° im Azimut von der Sonne entfernt und damit nahe der
Gegensonne. Sie erscheinen als längliche weiße Aufhellungen. Ihr innerer Rand auf der Seite zur Sonne ist scharf begrenzt und kann leicht bläulich gefärbt sein. Zur Gegensonne hin werden sie allmählich schwächer. Ihren Namen tragen sie nach dem schwedischen Meteorologen Gösta Hjalmar Liljequist, der sie 1951 in der Antarktis beobachtete. Liljequists Nebensonnen gehören zu den seltenen Haloarten. Sie zeigen sich vor allem bei niedrigem Sonnenstand und meist zusammen mit einem hellen Horizontalkreis und den
120°-Nebensonnen. Mit steigender Sonne werden sie breiter und lichtschwächer. Unterhalb des Horizonts gibt es auf dem
Unterhorizontalkreis ein Gegenstück, die Unternebensonnen nach Liljequist (EE29). Sie sind nur von Bergen oder aus dem Flugzeug zu sehen.
Liljequists Nebensonnen entstehen in
schwebenden Plättchenkristallen, die horizontal ausgerichtet sind. Das Licht tritt durch eine Seitenfläche in den Kristall ein, wird im Inneren mehrfach an Seitenflächen reflektiert und verlässt ihn wieder durch eine Seitenfläche. Zwei Lichtwege tragen etwa gleich viel zum Halo bei. Beim ersten wird das Licht zweimal reflektiert und tritt durch eine andere Seitenfläche aus. Beim zweiten wird es dreimal reflektiert und tritt durch die Eintrittsfläche wieder aus. Die Grafik zeigt beide Lichtwege in der Draufsicht auf das Plättchen. Der scharfe innere Rand bei etwa 153° entsteht beim zweiten Lichtweg dort, wo zwei der Reflexionen in Totalreflexion übergehen. Für blaues Licht liegt diese Grenze etwa 2° näher an der Sonne als für rotes. Deshalb kann der Rand bläulich wirken, während der übrige Halo weiß ist. Erklärt wurden die Lichtwege 1994 von Walter Tape. Simuliert hatten den Halo zuvor schon Eberhard Tränkle und Robert Greenler im Jahr 1986.