Am
22°-Ring liegt eine Haloart, die vielfältige Erscheinungsformen annehmen kann. Je nach Sonnenhöhe ergibt sich ein unterschiedliches Bild. Bei einer Sonnenhöhe bis etwa 29° bezeichnet man diese Haloerscheinung als den unteren und oberen Berührungsbogen des 22°-Rings, bei Sonnenhöhen darüber als umschriebenen Halo. Wenn die Sonne tief steht, bilden die beiden Äste des
oberen Berührunsbogens einen scharfen Winkel. Mit steigender Sonnenhöhe nähern sich die Äste immer mehr dem 22°-Ring. Gleichzeitig werden sie länger und treffen bei einer Sonnenhöhe von etwa 29° mit dem
unteren Berührungsbogen zusammen. Der dadurch entstandene geschlossene Ring wird umschriebener Halo genannt. Er berührt den 22°-Ring oberhalb und unterhalb der Sonne. Zunächst ist der umschriebene Halo noch oval. Mit steigender Sonnenhöhe wird er immer kreisförmiger und nähert sich dem 22°-Ring an. Bei einer Sonnenhöhe von 70° fällt der umschriebene Halo dann fast mit dem kleinen Ring zusammen. Der umschriebene Halo ist ebenso wie die Berührungsbögen stärker gefärbt als der 22°-Ring. Zur Sonne hin ist er rötlich und außen bläulich. Bei hoher Sonne liegt er eng am 22°-Ring an. Er ist dann an Aufhellungen oberhalb und unterhalb der Sonne und an kräftigeren Farben zu erkennen. Manchmal sind nur diese Aufhellungen sichtbar. In Mitteleuropa erreicht die Sonne im Winterhalbjahr eine Höhe von etwa 29° nur kurz um die Mittagszeit oder gar nicht. Der umschriebene Halo ist daher vor allem eine Erscheinung des Sommerhalbjahres um die Mittagszeit.
Die Berührungsbögen und der umschriebene Halo entstehen in
horizontal ausgerichteten Säulenkristallen. Der brechende Winkel beträgt 60°. Das Licht tritt dabei in eine Prismenfläche ein und an der übernächsten wieder aus. Den gleichen Weg nimmt das Licht auch bei den
Nebensonnen und dem 22°-Ring. Die verschiedenen Haloarten ergeben sich nur aus der unterschiedlichen Orientierung der Kristalle.