Sonnenflecken sind dunkle Gebiete auf der sichtbaren Oberfläche der Sonne, der Photosphäre. Dort treten starke Magnetfelder aus dem Inneren der Sonne aus. Sie bremsen den Transport von Wärme aus der Tiefe. Ein Fleck ist deshalb um 1000 bis 2000 Grad kühler als seine Umgebung und erscheint dunkel. Ein Sonnenfleck besteht aus einem dunklen Kern, der Umbra, und einem helleren Hof, der Penumbra.
Sonnenflecken treten meist in Gruppen auf. Diese Gruppen heißen aktive Regionen und werden von der NOAA fortlaufend nummeriert. In komplexen Gruppen verdrillen sich die Magnetfelder. Entlädt sich die gespeicherte Energie, entstehen Flares und koronale Massenauswürfe. Sie sind die Ursache der stärksten Polarlichter in Deutschland.
Die magnetische Klassifizierung nach dem Schema des Mount Wilson Observatory beschreibt, wie komplex eine Fleckengruppe aufgebaut ist. Je komplexer eine Gruppe ist, desto wahrscheinlicher erzeugt sie starke Flares. Die Klassen lauten:
- Alpha (α): Gruppe mit nur einer magnetischen Polarität
- Beta (β): Gruppe mit positiver und negativer Polarität, die klar voneinander getrennt sind
- Gamma (γ): Gruppe mit so unregelmäßig verteilten Polaritäten, dass sie weder als Alpha noch als Beta gilt
- Beta Gamma (βγ): Gruppe, bei der sich keine einfache Linie zwischen den Polaritäten ziehen lässt
- Delta (δ): Umbren mit entgegengesetzter Polarität liegen innerhalb einer gemeinsamen Penumbra
- Beta Delta (βδ), Beta Gamma Delta (βγδ) und Gamma Delta (γδ): Gruppen der Klassen Beta oder Gamma, die zusätzlich einen oder mehrere Deltaflecken enthalten
Gruppen der Klasse Beta Gamma Delta sind die gefährlichsten. Auch die Gruppe AR 3664 gehörte im Mai 2024 zu dieser Klasse. Sie erzeugte mehrere Flares der Klasse X. Die aktuelle Klassifizierung aller Gruppen veröffentlicht das SWPC täglich.
Die Zahl der Sonnenflecken schwankt in einem Zyklus von durchschnittlich elf Jahren. Ein Zyklus beginnt mit dem Minimum. Danach steigt die Zahl der Flecken an, erreicht ein Maximum und fällt wieder ab. Manchmal hat ein Zyklus zwei Gipfel, zum Beispiel der Zyklus 23.
Der aktuelle Zyklus 25 begann im Dezember 2019. Nach Angaben des Weltdatenzentrums SILSO in Brüssel erreichte er sein Maximum im Oktober 2024 mit einer geglätteten Sonnenfleckenzahl von rund 161. Damit fiel er deutlich stärker aus als der Zyklus 24 und stärker als ursprünglich vorhergesagt. Seit 2025 nimmt die Aktivität wieder ab.
Die Tabelle zeigt die geglättete Sonnenfleckenzahl nach SILSO. Die Grafik darunter zeigt den Verlauf des aktuellen Zyklus und die Vorhersage für die nächsten Monate.
Im Maximum eines Zyklus gibt es die meisten Flares und koronalen Massenauswürfe. Die Chance auf sehr helle Polarlichter ist dann am größten. Die Grafik zeigt aber auch: Die meisten Polarlichtnächte gibt es oft erst in den Jahren nach dem Maximum. Dann sorgen große koronale Löcher immer wieder für schnellen Sonnenwind. Das war in den Jahren 2015 und 2016 so und auch im Rekordjahr 2025. Auch einige der stärksten Stürme traten erst nach dem Maximum auf, etwa im Oktober 2003, im November 2025 und im Januar 2026.
Ein Teil des Anstiegs seit 2015 geht auch auf moderne Kameras und Smartphones zurück. Sie zeigen schwaches Polarlicht, das früher niemand bemerkt hätte.