22°-Ring (EE01)

Foto: Claudia Hinz

Beschreibung

Kristallart:

  • Säulenkristalle

Orientierung:

  • willkürlich

Lichtweg:

  • Brechung an 2 Seitenflächen

Vorkommen:

  • sehr häufig (80-120 Tage pro Jahr)

Der 22°-Ring ist ein Lichtring mit einem Radius von 22° um die Sonne. Sein rötlich-brauner Innenrand ist relativ scharf begrenzt. Der äußere Rand ist dagegen weiß und diffus. Der 22°-Ring wird auch als kleiner Ring bezeichnet. Für denjenigen, der mit Haloerscheinungen nicht vertraut ist, erscheint er allerdings schon riesig groß. Zur Orientierung kann man sagen, dass 22° etwa dem Winkel entsprechen, den Daumen und kleiner Finger bei ausgestreckter und gespreizter Hand bilden. Oftmals ist der Ring nicht komplett zu sehen. Häufig erscheint nur der obere Teil. Um bei der Beobachtung nicht von der Sonne geblendet zu werden, sollte man sich so hinstellen, dass die Sonne durch einen Gegenstand (z.B. Straßenlaterne) verdeckt wird.

Entstehung

Der kleine Ring ist die häufigste Haloerscheinung. Er kann fast immer dann gesehen werden, wenn nach einigen Tagen sonnigem Wetters ein Tiefdruckgebiet von Westen naht. Als Vorläufer des Tiefs überziehen dann Cirrostratus-Wolken und Cirrus-Wolken den Himmel. Diese lassen die Sonne durchscheinen und wirken wie eine Art weißer Nebelschleier. Die Cirrostratus-Wolken befinden sich in sehr großer Höhe. Dort ist die Temperatur so niedrig, dass Wasser an Staubteilchen zu Eis kristallisiert. Die Eiskristalle haben in der Regel die Form von hexagonalen Prismen. In ihnen wird das Licht von der Sonne wie in einem Prisma von 60° gebrochen. Von diesen Eisprismen befinden sich viele Millionen in der Cirrostratus-Schicht. Wenn die Eisprismen etwa ebenso lang wie breit sind, oder die Atmosphäre sehr turbulent ist, nehmen die Kristalle eine willkürliche Lage im Raum ein. Bei willkürlich orientierten Kristallen wird das Sonnenlicht in alle möglichen Richtungen gebrochen. Für den Winkel von 22° um die Sonne ergibt sich aber eine starke Aufhellung, da sich bei diesem Winkel die Richtung des gebrochenen Lichtstrahls im rotierenden Prisma langsamer ändert. Man nennt diesen Winkel auch Mindestablenkung. Das Licht tritt in eine Prismenfläche des Kristalls ein und an der übernächsten Prismenfläche wieder aus. Sowohl beim Eintritt als auch bei Austritt wird das Sonnenlicht gebrochen. Für rotes Licht ist der Brechungsindex geringer, wodurch der rote Innenrand des 22°-Halos zustande kommt. Die Entstehung des 22°-Rings ist nicht von der Sonnenhöhe abhängig. An manchen Tagen ist er über mehrere Stunden hinweg sichtbar.

Fotos

22°-Ring an der Sonne in intensiven Farben (Foto: Hermann Koberger)
22°-Ring am Mond aufgenommen in Schwedt am 28.12.2012 (Foto: Andreas Möller)
video

2014-01-03 - 22-°Ring, Nebensonnen & OBB

Die Zeitrafferaufnahme zeigt den 22-°Ring, Nebensonnen und oberer Berührungsbogen, aufgenommen am 3. Jan. 2014 in Kämpfelbach. Aufgenommen wurde dieses Zeitraffer mit einer GoPro Hero.

© Michael Großmann

video

2014-06-18 - Heller 22°-Ring

Dieser helle 22°-Ring wurde am 18. Juni 2014 in Berlin beobachtet.

© Andreas Möller

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