Halos

Foto: Andreas Möller

"Alles, was Sie tun müssen, ist, Ihre Augen mit dem Zauberstab zu berühren, der da heißt: Wissen, worauf ich achten muss!"

(Marcel Minnaert)

Übersicht

Haloerscheinungen sind farbige oder weiße Lichtkreise, -bögen und -flecken am Himmel, die durch Brechung und Spiegelung des Lichts an Eiskristallen entstehen. Eiskristalle, an denen Halos gebildet werden, finden sich vor allem in hohen Wolken der Gattung Cirrus und Cirrostratus. Daneben können sie auch in fallenden Schneekristallen, in Eisnebel sowie auf einer Schnee- oder Reifdecke beobachtet werden.

Im Gegensatz zum Regenbogen sind diese atmosphärischen Erscheinungen kaum jemandem bekannt. Dabei gibt es einige Haloarten, die in ihrer Farbigkeit und Helligkeit dem Regenbogen gleichkommen können. Außerdem sind Halos gar nicht so selten. Durchschnittlich kann man sie an 6-7 Tagen im Monat beobachten. Die folgenden Seiten sollen Ihnen die Vielfalt der Haloarten näherbringen und zur eigenen Beobachtung dieser faszinierenden Himmelsschauspiele anregen.

Welche Arten und Typen von Halos gibt es? Wie entstehen die einzelnen Haloarten? Welchen Weg nimmt das Licht im Kristall und wie häufig treten die Erscheinungen auf?

Wann spricht man von einem Halophänomen? Welche Halophänomene konnten in der Vergangenheit beobachtet werden?

Wie entstehen eigentlich Halos? Warum sieht man verschiedene Formen und verschiedene Farben?

Wann muss ich nach draußen gehen? Wie beobachte ich die Halos? Wie fotografiere ich Halos am besten?

Die Halobibliografie ist ein Literaturverzeichnis zum Thema Haloerscheinungen.

Hier findet ihr Software mit der man Halos simulieren und auswerten kann.

Abhandlungen und besondere Beobachtungen des AKM e.V.

Was sind Haloerscheinungen?

Haloerscheinungen sind optische Erscheinungen in der Troposphäre. Sie entstehen durch Lichtbrechung und Spiegelung an hexagonalen Eiskristallen. Die vielfältigen Formen von optisch relevanten Eiskristallen rufen eine erstaunliche Anzahl von Haloarten hervor. Je nach Form und Größe, sowie die Ausrichtung um eine, jeder Kristallart eigenen, bevorzugten Schwebestellung beim Fall durch die Atmosphäre entstehen Ringe, Säulen, Kreise, Bögen und Flecken. Die meisten Haloerscheinungen sind darüber hinaus noch von der Sonnenhöhe abhängig - das heißt, sie verändern Form und Intensität in Abhängigkeit vom Stand der Sonne.

Haloerscheinung auf den Solowezki-Inseln (RU) (Foto: Yury Gnatyuk)
Haloerscheinung im Eisnebel (Foto: Stefan Engl)

Haloerscheinungen treten wesentlich häufiger auf als alle anderen Erscheinungen der atmosphärischen Optik, wie Höfe, KränzeRegenbögen etc. Und doch sind sie einem großen Teil der Bevölkerung gänzlich unbekannt. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen sind Halos in der Regel ziemlich lichtschwache Erscheinungen und treten meist in der näheren Umgebung zur Lichtquelle auf, was eine Beobachtung durch die Blendwirkung erschwert. Ein Regenbogen dagegen ist heller, farbiger und auf Grund der günstigeren Position (Sonne im Rücken und Erscheinung in Horizontnähe) einfacher zu erfassen als die meisten aller Haloerscheinungen. Es gibt aber auch helle und sehr farbige Halos, doch nehmen diese eine exotischere Stellung am Himmel ein (der Zirkumzenitalbogen z.B. tritt nur in der Nähe zum Zenit auf). Zum anderen werden viele Haloerscheinungen vielleicht zwar registriert aber als solche nicht erkannt. Eine Lichtsäule wird von "Unkundigen" als Reflex oder als Streuung interpretiert. Er sagt dann volkstümlich: "Die Sonne zieht Wasser". Oder ein am Mond meist gut zu beobachtender 22°-Ring wird als Hof oder als Kranz fehlgedeutet.

Ein aufmerksamer und kundiger Halobeobachter kann durchschnittlich an über 100 Tagen im Jahr in Mitteleuropa Haloerscheinungen beobachten. Der Durchschnittsbeobachter wird es aus Zeitgründen in der Regel aber nicht mehr als auf 60 - 80 Tage bringen. Ein Laie, welcher regelmäßig Wetter und Wolken beobachtet, wird vielleicht an 10 - 20 Tagen helle Haloerscheinungen wahrnehmen. Die Konsequenz aus dieser Tatsache liegt auf der Hand. Um erfolgreich Halos zu beobachten, muss man einiges beachten.

Wie eingangs schon erwähnt, treten Halos an Eiskristallen auf, welche hauptsächlich in den Cirruswolken vorkommen. Überzieht sich der blaue Himmel mit diesen Schleierwolken, ist höchstwahrscheinlich mit dem Auftreten von Haloerscheinungen zu rechnen. Im Winter, bei tiefen Temperaturen, können diese Bedingungen auch in Erdbodennähe vorkommen, so dass nicht unbedingt Cirrus vonnöten ist. Man spricht dann vom sogenannten "Eisnebel".

Jede der über 50 bekannten, verschiedenen Haloarten hat ihren angestammten Platz am Himmel. Zu den häufigsten Haloarten zählen wir den 22°- Ring (ca. 40%), die Nebensonnen (ca. 30%), Bestandteile des umschriebenen Halos, wie der obere und untere Berührungsbogen zum 22°- Ring (ca. 12%), Lichtsäulen (ca. 8%) und Zirkumzenitalbogen (ca. 5%). Diese fünf Haloarten machen also 95% aller Haloerscheinungen aus. Als beginnender Halobeobachter sollte man sich vorerst auf diese 5 Haloarten konzentrieren. Hat man eine gewisse Routine beim Beobachten erlangt, kann man nach und nach die restlichen Haloarten theoretisch studieren und dann versuchen, bei einer größeren Haloaktivität nach ihnen Ausschau zu halten.

Wenn man Haloerscheinungen mit dem bloßen Auge beobachtet, sollte man darauf achten, dass man nicht vom Sonnenlicht geblendet wird. Bei sonnennahen Halos empfiehlt es sich, die Sonne durch ein geeignetes Hindernis abzudecken, wie zum Beispiel durch einen Hausgiebel. In der freien Natur benutzt man am besten die halb ausgestreckte Hand. Günstig sind auch Hilfsmittel wie Sonnenbrille oder ein schwarzer Spiegel. Sie dämpfen nicht nur das störende Sonnenlicht, sondern erhöhen auch den Kontrast zwischen Halo und Himmelshintergrund. Ein schwarzer Spiegel lässt sich leicht aus einem möglichst sphärischen (damit bleiben Verzerrungen in erträglichen Grenzen) Uhrenglas mit nicht allzu kleinem Durchmesser (ca- 15-20 cm sind optimal) herstellen, indem man die konkave Seite mit schwarzem Lack überzieht. Sehr gut geht das mit Spray-Farbe, welche man in 2 bis 3 dünnen Schichten aufsprüht. Man blickt dann mit der Sonne im Rücken auf die konvexe Seite des Spiegels und hat neben der Dämpfung des Sonnenlichtes und der Kontrastverstärkung auch noch einen günstigen Weitwinkeleffekt.

Unbekannte Haloarten sollte man am besten auf Film bannen oder zumindest skizzieren, damit eine nachträgliche Identifizierung möglich ist.